KNESEBECK

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Platt ist cool -

„Wü snackt platt“ in der Eutzener Kirche

 

 

 

 

Der Kirchturm der Eutzener St. Georgs-Kirche grüßt in alle Himmelsrichtungen, so auch die Gruppe „Wü snackt Platt“ zu diesem besonderen Klönsnack.

Hermann Heinecke als Gründer dieses Gesprächskreises ist also mit seinen Plattsnackern auf dem richtigen Weg, diese Sprache lebendig bleiben zu lassen. Stephan Weil, Ministerpräsident, übernahm vor einigen Wochen die Schirmherrschaft über die Plattdeutsche Sprache, unter dem Motto: „Platt ist cool!“

Auch hier gilt das Wort von Dietrich Bonnhöfer: Die Achtung vor der Vergangenheit und die Verantwortung für die Zukunft geben für‘s Leben die richtige Haltung, Heimat und Identität. Schon zur Zeit der Hanse (13. -14. Jahrhundert) wurde in den Kontoren von Nowgorod über Brügge

bis London und Bergen Platt gesprochen. Sie war Welthandelssprache. In dieser Sprache ist Gottes Wort – Luthers Lehre- in Kirchen und später auch in Schulen bei uns verkündet worden, so Margret Burmester, die in Eutzen die Führung übernahm. Sie schreibt, auch an Hand von vielen alten

Unterlagen, in Eutzen die Dorf- Kirchen- und Schulchronik.

Mittelpunkt von Eutzen (1243 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Isenhagen erstmalig erwähnt) ist seit dem 13. Jahrhundert die kleine frühgotische Kirche mit dem wunderschönen spätgotischen Schnitzaltar. Die Kirche hat eine schöne Balkendecke, die eine gute Akustik für

Kammerkonzerte bildet, war sogar mal das Vellinger Quartett aus London in die Kirche führte. Als Besonderheiten gelten das schöne Rippengewölbe, das auf Kopfkonsolen ruht, der verschließbare Sakramentenschrank und der Taufstein von 1556 aus Sandstein gehauen.

Als das Dach 1983 neu gedeckt wurde, fand man in der Kugel von der Bekronung Kupferkartuschen. Darin waren erhalten: Das Eutzen-Lied, die 1. Strophe, gedichtet 1880 bis 1890, der alte Dorfreim, Namen aller Dorfbewohner, alte Zeitungen von 1907 und die geltenden Preise von damals, wie: 1 Zentner Kartoffeln 2 Mark 60, 1 Schwein kostete 60 Mark, 1 Dachdecker-Stunde 45 Pfennig.

1953 wurde beim Bau des kleinen Feuerwehrhauses ein Schatz gefunden, vergraben an der Friedhofsmauer. Aus einem Tontopf polterten 400 Silbermünzen, geprägt von 1430 bis 1540, haben also 400 Jahre im Topf gelagert. Einige Münzen werden hinter Glas in Eutzen aufbewahrt.

Die Glocke wurde 1907 im Sommer in Hildesheim für 230 Mark plus Nebenkosten gegossen.

Nachdem Knesebeck seit 1900 mit der Bahn erreichbar war, wurde die Glocke mit Pferd und Wagen, durch einen kleinen Umzug begleitet, vom Bahnhof nach Eutzen gebracht. Sie ruft noch heute zu den Gottesdiensten und am Sonnabend-Sonntag zum Gebet.

Alle Eutzener freuen sich über ihr kleines Schmuckstück, die Kirche, von der Margret Burmester so viel erzählen kann. Der Abend endete natürlich auf Platt mit kleinen Anekdoten, selbst geschriebenen Gedichten und dem Eutzener Lied, (jetzt 3 Strophen) nicht wie vorgesehen an der Kirche, sondern wegen des schlechten Wetters in Burmesters Laube. Hier die 1. Strophe: Weißt du nicht, wo Eutzen liegt, Eutzen liegt im Grunde. Wo‘s die schönen Mägens gift, hübsche, schlanke, runde. Morgens, wenn de Sunn upgaht, denn kikt se in de Wulken, ach leibe Schatz, nun lot mi gohn, us Keu sind noch nich mulken.

Wer mal hineinschnuppern möchte, alle 4 Wochen treffen sich die Plattsnacker am Dienstag im Rathaus, wie immer, gut vorbereitet von Hermann Heinecke. Immer zu einem aktuellen Thema aus der Jahreszeit vor 100, 75 und 50 Jahren. Einig waren alle mit den Abschlussworten von Margret Burmester: Platt ist eine Sprache mit Humor, der von Herzen kommt, manchmal um die Ecke denkt und nie unter den Bauchnabel geht!